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🏞️ Werdohl – Stadt im Tal der Lenne

Wanderkarte Werdohl

Werdohl liegt eingebettet zwischen bewaldeten Höhenzügen und den Flüssen Lenne und Verse. Die Stadt ist geprägt von ihrer Industriegeschichte, aber ebenso von Naturphänomenen, die man so nur im Sauerland findet. Wer hier unterwegs ist, erlebt eine Mischung aus geologischen Besonderheiten, historischen Spuren und ruhigen Aussichtspunkten.

Werdohl

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⭐ Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Werdohl

Werdohler Rippelmarken – Versteinerte Wellen aus der Urzeit

Die Rippelmarken an der Altenaer Straße gehören zu den ungewöhnlichsten Naturdenkmälern der Region. Hier sieht man versteinerte Wellenstrukturen, die vor Millionen Jahren entstanden, als das Gebiet noch von Wasser bedeckt war. Sie sind frei zugänglich und ein spannender Ort für Geologieinteressierte – ein Stück Erdgeschichte mitten im Stadtgebiet.

Werdohler Landschaften – Kunst trifft Natur

Unter dem Titel „Werdohler Landschaften“ finden sich im Stadtgebiet mehrere gestaltete Natur- und Kunstflächen, die Spaziergänge abwechslungsreich machen. Sie verbinden Naturerlebnis mit künstlerischer Interpretation und laden zum Entdecken ein.

Denkmallok – Erinnerung an die Industriegeschichte

Am Mühlenweg steht eine historische Denkmallokomotive, die an die Bedeutung der Bahn für die industrielle Entwicklung Werdohls erinnert. Sie ist rund um die Uhr zugänglich und ein beliebtes Fotomotiv für Technik- und Eisenbahnfreunde.

Platz des ehemaligen Schornsteins – Ein Ort der Erinnerung

Dieser kleine Platz markiert den Standort eines früheren Industrie-Schornsteins und erinnert an die Zeit, in der Werdohl stark vom Hütten- und Metallgewerbe geprägt war. Heute ist er ein ruhiger Punkt, der Geschichte sichtbar macht.

Werdohler Gärten – Grüne Oasen in der Stadt

Die Werdohler Gärten am Starenweg sind ein gepflegtes, ruhiges Areal, das sich ideal für Spaziergänge eignet. Sie zeigen, wie viel Grün die Stadt trotz ihrer industriellen Vergangenheit bietet.

Werdohler Winterlandschaften – Naturidylle im Jahreslauf

Die Gegend um Erbshagen ist besonders im Winter ein beliebtes Fotomotiv. Die „Werdohler Winterlandschaften“ stehen stellvertretend für die reizvolle Umgebung, die zu jeder Jahreszeit Wanderer anzieht.

Kraftwerk Elverlingsen – [Karte]

Das Kohlekraftwerk Werdohl‑Elverlingsen war über mehr als ein Jahrhundert eines der prägenden Industrieareale im Lennetal. Heute befindet es sich im vollständigen Rückbau – mit spektakulären Sprengungen, großen Abbruchprojekten und einer neuen energetischen Zukunft.

Kohlekraftwerk Elverlingsen - Blick von der Molmert., Die zwei Türme im Lennetal sind Vergangenheit.

🔥 Historische Leistungsdaten

  • Primärenergie: Steinkohle & Erdgas
  • Maximale Gesamtleistung: 693 MW (E3: 186 MW, E4: 301 MW, E1/E2 je 75 MW)
  • Kohlebedarf: ca. 4.500 Tonnen pro Tag
  • Jahresproduktion: rund 2,2 TWh Strom
  • Schornsteine: 200 m (E3) und 282 m (E4)

📰 Der Morgen, an dem Elverlingsen fiel

Elverlingsen, 28. November 2025. Es ist kurz nach sieben, als der Nebel über dem Lennetal aufreißt und die beiden Schornsteine des alten Kohlekraftwerks zum ersten Mal klar sichtbar werden. Zwei graue Riesen, 200 und 282 Meter hoch, jahrzehntelang Landmarken zwischen Werdohl und Altena. Heute stehen sie zum letzten Mal.

Auf dem abgesperrten Gelände herrscht eine merkwürdige Mischung aus Routine und Anspannung. Die Sprengmeister der Firma Liesegang bewegen sich konzentriert zwischen den Kontrollpunkten, während die Polizei die letzten Zuschauer hinter die Sicherheitslinie führt. Rund fünfzig Menschen sind gekommen – ehemalige Mitarbeiter, Anwohner, Neugierige. Manche haben Thermoskannen dabei, andere Kameras. Alle wissen: Gleich endet ein Stück Industriegeschichte.

Die Nacht davor

Was niemand sieht: Hinter den Kulissen war es knapp. In der Nacht hatten Unbekannte eine Zündleitung zwischen den beiden Schornsteinen beschädigt. Ein Sabotageversuch – so nennen es die Ermittler später. Die Sprengung stand auf der Kippe. Doch die Techniker reparierten die Leitung, prüften jede Ladung, jede Kabelverbindung. Am Morgen gibt Sprengmeister Michael Schneider schließlich das Signal: „Wir sind bereit.“

Der Countdown

Um 8:32 Uhr ertönt die erste Warnsirene. Die Zuschauer verstummen. Die beiden Schornsteine stehen wie zwei Monumente einer vergangenen Energieära. Der höhere – 282 Meter – ragt wie ein dünner Finger in den Himmel, der kleinere wirkt gedrungener, aber nicht weniger mächtig.

„Fünf Minuten“, ruft ein Sicherheitsmann. Ein ehemaliger Kraftwerker neben mir zieht die Mütze tiefer ins Gesicht. „Ich hab hier 30 Jahre gearbeitet“, sagt er leise. „Komisches Gefühl.“

Der Moment

8:37 Uhr. Ein dumpfer Schlag. Dann ein zweiter. Der 282‑Meter‑Schornstein beginnt zu zittern, als würde er sich gegen sein Schicksal wehren. Ein feiner Staub löst sich vom Beton, dann knickt der Koloss langsam in die vorbereitete Fallrichtung. Es ist kein lauter Knall, eher ein tiefes, rollendes Grollen, das durch den Boden geht. Der Turm fällt wie in Zeitlupe – und verschwindet in einer gigantischen Staubwolke.

Nur Sekunden später folgt der zweite Schornstein. Der 200‑Meter‑Turm bricht sauber weg, kippt präzise ins Fallbett und schlägt mit einem dumpfen Donnern auf. Die Staubwolke steigt auf wie ein grauer Pilz, der das gesamte Areal einhüllt.

Für einen Moment ist alles still.

Danach

Als der Staub sich legt, bleibt eine bizarre Leere zurück. Wo eben noch zwei Türme standen, ist nun ein breites, offenes Stück Himmel. Die Zuschauer schauen schweigend. Manche filmen, manche wischen sich die Augen. Der ehemalige Kraftwerker neben mir sagt nur: „Jetzt ist es wirklich vorbei.“

Die Sprengmeister klopfen sich gegenseitig auf die Schulter. Trotz der Sabotage, trotz der Risiken – die größte Einzelsprengung im Märkischen Kreis ist perfekt gelaufen.

Ein Ort im Wandel

Mit dem Fall der Schornsteine endet das sichtbarste Kapitel des Rückbaus. Der Kühlturm ist schon weg, die Denox‑Anlage ebenfalls. Bis Mitte 2026 soll das gesamte Gelände verschwunden sein – bereit für neue Energieprojekte, Industrieflächen, vielleicht ein völlig anderes Kapitel für Elverlingsen.

Doch an diesem Morgen bleibt vor allem ein Gefühl: Ein Stück Vergangenheit ist gefallen. Und alle, die hier stehen, haben es gespürt.

🧭 Fazit: Werdohl – unterschätzt und vielseitig

Werdohl ist kein klassisches Touristenziel – und gerade deshalb spannend. Die Stadt bietet geologische Besonderheiten, Industriekultur, Naturerlebnisse und historische Spuren, die sich zu einem abwechslungsreichen Besuch verbinden lassen.

Wer das Sauerland abseits der bekannten Hotspots entdecken möchte, findet in Werdohl ein authentisches, ruhiges und überraschend vielfältiges Ziel.