Bei einer Wanderung im Bärlauchwald bei Grevenbrück entdecke ich einen imposanten alten Steinbruch im Naturschutzgebiet Breiter Hagen, der in OpenStreetMap als Lummeriönchen bezeichnet wird (siehe Karte).

Es handelt sich dabei aber nicht um einen offiziellen Orts- oder Straßenname, sondern eine lokale, mündlich überlieferte Bezeichnung für einen aufgegebenen Steinbruch im Waldgebiet zwischen den Burgruinen Peperburg und Borghausen bei Grevenbrück.
Im offiziellen Kartenwerk GeobasisNRW ist hingegen keine Ortsbezeichnung eingetragen (siehe Bild). Ich vermute ein lokaler OSM Scout hat sein Wissen in OpenStreetMap hinterlegt.

https://www.suederlaender.de/Sauerland/wp-content/uploads/Lummeriönchen-track.gpx
Historischer Kontext
Peperburg / Burg Gevore
- Mittelalterliche Höhenburg
- Heute nur noch Mauerreste sichtbar
- Diente vermutlich zur Sicherung des Lennetals
Borghausen
- Ebenfalls mittelalterliche Anlage
- Weniger bekannt, aber historisch bedeutend
- Liegt auf dem Höhenzug südlich der Peperburg
Zwischen beiden Burgen verliefen früher Wege und Wirtschaftsflächen, darunter auch kleine Steinbrüche – einer davon ist das Lummeriönchen.

Der Name „Lummeriönchen“ ist einer dieser wunderbaren lokalen Begriffe, die nie offiziell festgehalten wurden, aber in der regionalen Erinnerung weiterleben. Es gibt keine schriftliche Quelle, die den Ursprung eindeutig erklärt – aber es existieren drei sehr plausible Herleitungen, die in Grevenbrück und Umgebung erzählt werden. Ich lege sie mal sauber auseinander, damit ihr ein Gefühl bekommt, woher der Name wahrscheinlich stammt.
Die „Lumme“-Theorie (am wahrscheinlichsten)

Im Sauerland – besonders im Raum Olpe/Lennestadt – ist „Lumme“ oder „Lummer“ ein altes Dialektwort für:
- kleines Licht, Funzel
- schwaches Feuer
- glimmende Flamme
In alten Steinbrüchen oder Köhlerplätzen gab es oft Glutreste, kleine Feuerstellen oder Funkenflug beim Bearbeiten von Stein und Werkzeugen.
„Lummeriönchen“ wäre dann ein liebevoll-verkleinernder Name: „das kleine Funzelchen / Glutplätzchen“ – also ein Ort, an dem es „ein bisschen glimmte“.
Das passt erstaunlich gut zu einem kleinen, abgelegenen Steinbruch, wo früher gearbeitet, geglüht oder geräuchert wurde.
Der Steinbruch im Lummeriönchen war nie ein großer kommerzieller Betrieb, sondern eher ein kleiner lokaler Abbauplatz, vermutlich mittelalterlich oder frühneuzeitlich, genutzt für Baumaterial in unmittelbarer Umgebung. Die Region zwischen Peperburg und Borghausen besteht aus Kalk- und Grauwackeschichten, die sich gut für Mauerwerk, Fundamente, Wege, Kalkbrennen etc. eigneten. Solche Mini-Steinbrüche waren im Sauerland völlig normal – oft nur ein paar Meter groß, aber über Jahrzehnte genutzt.
Die „Lummerich“-Theorie (Familien- oder Spitzname)
Im Sauerland wurden Orte oft nach Personen benannt, die dort arbeiteten oder lebten. „Lummerich“ oder „Lummering“ taucht als Nachname und Spitzname in der Region auf.
Denkbar wäre:
- Ein Arbeiter oder Köhler mit dem Spitznamen „Lummerich“ war dort tätig.
- Der Ort wurde dann im Dialekt zu „Lummeriönchen“, also „das kleine Stück vom Lummerich“.
Solche Namensentwicklungen sind im Sauerland extrem typisch.
Die „Lumme“-Tier-Theorie (weniger wahrscheinlich, aber charmant)
„Lumme“ ist auch der Name eines Seevogels. Das passt geografisch nicht wirklich ins Sauerland – aber manchmal wandern Wörter über Umwege in Dialekte, ohne dass der ursprüngliche Bezug noch klar ist.
Einige ältere Grevenbrücker erzählen, der Ort sei „so still wie ein Vogel auf dem Felsen“ gewesen. Das klingt eher nach einer späteren Volksetymologie als nach echtem Ursprung.
Mein Kommentar
Das „Lummeriönchen“ ist sehr wahrscheinlich Ein kleiner mittelalterlicher Steinbruch, der zur Versorgung der Burgen Peperburg und Borghausen diente und später noch sporadisch genutzt wurde.
Der Name überlebte – der Ort selbst verschwand im Wald.