Im Sauerland, auf einem Ausläufer des Balver Waldes, gibt es eine halbkreisförmige Hügelgräben Anlage. Sie wurde 1860 in einem Verzeichnis der Stein- und Erd-Denkmäler des Süderlandes mit unbestimmten Alters aufgenommen und als »Hünengräben« bezeichnet.
Das Bauwerk hat einen Durchmesser von ca. 100 m. Hinter dem Hauptwall befinden sich mehrere ca. 10 m lange Gräben, von deren Ende man den östlichen Horizont einsehen kann.
Da diese Gräben in Ost-West Ausrichtung angelegt wurden, könnte hier durch Beobachtung von Sonnen- und Mondaufgang ein frühzeitlicher Kalender zur Bestimmung von Aussaht, Ernte und sonstigen Ereignissen betrieben worden sein, so wie auf dem Glauberg in der hessischen Wetterau. Die Anlage braucht aufgrund ihrer Größe den Vergleich mit anderen prähistorischen Kultstätten wie z.B. Stonehenge (Südengland) nicht scheuen.
Das Wall-Graben-System ist keine Hügelgräber Anlage, obwohl die Flurbezeichnung „In den Gleiern“ auf eine Nutzung als Kult- und Totenstätte hindeutet. Durch eine Grabung des LWL Außenstelle Olpe im Jahr 2008 wurde mittels Holz- und Keramikfunden die Anlage in die Eisenzeit datiert.
Download Bericht über Grabungen des LWL
https://www.suederlaender.de/Sauerland/wp-content/uploads/In den Gleiern track.gpx
🧱 Morphologie und Befestigungsstruktur
Die Anlage ist ein klassisches Beispiel für eine Höhenbefestigung mit Wall‑Graben‑System, weist jedoch Besonderheiten auf, die sie archäologisch herausragen lassen.
🛡️ Hauptwall und Innenplateau
- Der Hauptwall erreicht eine Breite von bis zu 16 m und eine Höhe von ca. 1,5–2 m (heute erhalten).
- Er besteht aus einem Erdwall mit Steinpackungen, die auf eine ursprüngliche Holz-Erde-Konstruktion schließen lassen.
- Das Innenplateau misst rund 110 m in der Länge und folgt dem natürlichen Höhenrücken.
🕳️ Graben und Annäherungshindernisse
Vor dem Wall liegt ein 6 m breiter Graben, der als Annäherungshindernis diente. Besonders auffällig sind jedoch die mehrfach vorgelagerten, radial angeordneten Gräbchen:
- Sie bilden ein fächerförmiges Grabensystem, das im westfälischen Raum einzigartig ist.
- Diese Gräben sind zwischen 0,5 und 1,2 m tief und wurden vermutlich mit Palisaden oder Flechtwerk kombiniert.
- Ihre Funktion wird als Annäherungshemmnis interpretiert – vergleichbar mit späteren „Spanischen Reitern“.
Diese komplexe Struktur zeigt, dass die Anlage nicht improvisiert, sondern strategisch geplant war.
🧭 Datierung und kulturhistorische Einordnung
Die Datierung stützt sich auf:
- Typologische Vergleiche mit Anlagen wie der Stesser Burg (Meschede) oder der Wallburg Schiedlike Borg.
- Geländemorphologische Merkmale, die klar eisenzeitlich sind.
- Fehlende mittelalterliche Überprägungen, was eine spätere Nutzung ausschließt.
Damit gehört „In den Gleiern“ zu den westlichsten bekannten eisenzeitlichen Wallanlagen der Mittelgebirge. Ihre Lage am Rand des Hönnetals deutet auf eine Kontrollfunktion über Verkehrswege hin, die zwischen Ruhrgebiet, Sauerland und Hellweg verliefen.
🧩 Funktion: Fliehburg, Herrschaftssitz oder Kultplatz?
Die Forschung diskutiert mehrere Nutzungsmodelle:
1. Fliehburg
Die Größe und die starke Befestigung sprechen für eine temporäre Schutzfunktion für eine lokale Gemeinschaft.
2. Herrschaftlicher Stützpunkt
Die strategische Lage und die aufwendige Konstruktion könnten auf einen lokalen Machtmittelpunkt hinweisen.
3. Kultisch genutzter Ort
Einige eisenzeitliche Höhenbefestigungen dienten als Versammlungs- oder Kultplätze. Da keine Grabungen mit Fundmaterial vorliegen, bleibt diese Hypothese offen.
Wahrscheinlich vereinte die Anlage mehrere Funktionen, wie es für die Eisenzeit typisch ist.
🌲 Heutiger Zustand und archäologische Bedeutung
Die Wallanlage ist heute ein Bodendenkmal, dessen Strukturen im Wald gut erkennbar sind:
- Wall und Graben sind klar sichtbar.
- Die vorgelagerten Gräben zeigen sich besonders gut in LIDAR‑Darstellungen.
- Der Ort ist frei zugänglich, aber nicht touristisch überformt.
Für die Archäologie des Sauerlands ist „In den Gleiern“ ein Schlüsselbefund, weil er:
- die eisenzeitliche Besiedlung des Balver Raums belegt,
- die westliche Ausdehnung des Höhenbefestigungsnetzes markiert,
- und ein seltenes Beispiel für mehrfach gestaffelte Annäherungshindernisse darstellt.
Auch auf dem Kreuzberg im sauerländischen Wormbach vermutet man ein steinzeitliches Observatorium. In der Zeitschrift Welt am Sonntag gibt es einen Bericht über einen Sonnenaufgang am „Wormbach Observatorium“.
Ebenso geeignet für die Kalender-astronomie scheinen die Bruchhauser Steine.
Sie werden noch heute zur Sommerson-nenwende (21. Juni) und der Hexentanznacht rege besucht.



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