Der Homertturm ist seit Jahrzehnten ein zuverlässiger Ort für Sonnenuntergänge. Man geht hin, schaut, atmet durch, geht wieder. Ein simples System und zugleich Treffpunkt für Gleichgesinnte ohne dafür eine App oder ein Firmware‑Update zu benötigen. Nur das Wetter muß passen.
Doch nun bekommt der Kälberberg, westlich der Homert, auf dem Gebiet der Städte Lüdenscheid und Kierspe ein Upgrade. Nicht freiwillig, versteht sich. Die Energieplaner Mark-E und Enercon haben Verträge für den dort geplanten Winderpark geschlossen und der Beirat der Unteren Naturschutzbehörde hat nichts dagegen.


Die drei dort genehmigten Anlagen werden 229 Meter hoch und sollen ab 2028 Strom für 10 000 Haushalte liefern. Der Kälberberg wird also vom Naturburschen zum Energieerzeger – ob er will oder nicht.
Natürlich gibt es Menschen, die den Sonnenuntergang am Homertturm regelmäßig konsumieren. Nicht aus romantischer Verklärung, sondern weil es ein funktionierender Ort war. Ein Ort ohne WLAN, ohne Push‑Nachrichten, ohne die ständige Erinnerung, dass die Welt sich schneller dreht, als einem lieb ist.
Und dann gibt es jene, die nüchtern feststellen: „Tja, irgendwo müssen die Dinger ja hin.“ Ein Satz, der im Sauerland vermutlich bald auf T‑Shirts gedruckt wird.
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Die Wahrheit ist: Der Berg bleibt. Der Sonnenuntergang auch. Nur das Bild verändert sich. Statt einer klaren Linie am Horizont wird es künftig ein paar Rotorblätter geben, die sich ins Motiv schieben. Manche nennen das Fortschritt, andere nennen es visuelle Störung. Am Ende ist es wohl beides.
Vielleicht ist das die eigentliche Lektion: Landschaften sind keine Museen. Sie verändern sich, weil wir uns verändern. Und manchmal muss selbst ein Berg mit der Zeit gehen.
Ob er das gut findet, hat er uns nicht mitgeteilt. Berge geben selten Pressekonferenzen.
